Das Eine-Frau-Kommando von Amrum


Amrum ist nicht unbedingt eine Insel, die man mit wilder Action verbindet. Wie gut diese Verbindung aber funktioniert, stellt Andreas Pflüger in seinem Thriller Kälter unter Beweis. Darin konfrontiert er eine Inselpolizistin mit einer ganzen Horde Killer und schickt sie auf eine Mission, die ihr keine Zeit zum Atemholen lässt.

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Schon vor Jahren hat sich Andreas Pflüger, einst Drehbuch-, inzwischen Romanautor, an die Spitze deutschsprachiger Thrillerautor:innen geschrieben. Zuletzt schickte er in seinem ebenfalls bei der Büchergilde erschienenen Thriller Wie Sterben geht eine junge Agentin auf einen halsbrecherischen Einsatz im Moskau zur Hochzeit des Kalten Krieges.

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In Kälter ist der Kalte Krieg nun in der Abklingphase. Die Maueröffnung steht kurz bevor, die beiden Machtblöcke UdSSR und USA haben sich angenähert. Alles gut also? Für Luzy Morgenroth mitnichten. Die Heldin des Romans kann sich nicht lange ausruhen, dabei ist ihr Job als Polizistin auf der beschaulichen Insel Amrum eigentlich prädestiniert dafür. Doch in einer sturmumtosten Herbstnacht setzt eine Gruppe von Auftragskillern auf die Insel über – was Luzy auf den Plan ruft.

Die Walther P5 ist solide, liegt leicht in der Hand. Die Hülsen werden links ausgeworfen, ein Bonus für sie als Linkshänderin. Was auf Amrum natürlich unwichtig ist.

Aus: Kälter

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Spätestens als ihr Kollege und Freund von den Killern getötet wird, wird der Fall für die Inselpolizistin persönlich, die sich dabei als wahre Kampfmaschine erweist. Eigenhändig bringt sie als Ein-Frau-Kommando die Mörder auf eine Weise zur Strecke, die jeden Hollywoodhelden neidisch machen würde. Warum Luzy Morgenroth so kampferfahren ist und was es mit dem Aktendeckblatt auf sich hat, das die Kampftruppe bei sich führte, erzählt Pflüger im Folgenden und schickt Luzy dabei auf eine kräftezehrende Reise. Diese führt sie von Berlin über München bis nach Wien, spätestens seit Orson Welles’ Der dritte Mann das Zentrum von Spionage und sinistren Umtrieben.

Mit Kälter beweist Andreas Pflüger erneut sein Gespür für Action und die Welt der Geheimdienste. Er erzählt von Luzys einstiger Karriere beim BKA, geht dabei bis in die Zeit des Deutschen Herbsts zurück und konfrontiert die Polizistin mit einer Nemesis, für deren Bekämpfung sie einen hohen Preis zahlen muss.

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Kälter ist hochtouriges Actionkino in bester Qualität. Egal, ob Ballerei in einem Zug oder eine Himmelfahrtsmission in Israel – immer wieder schickt Pflüger seine Heldin in halsbrecherische Situationen und lässt sie sich ihren Weg freikämpfen, wovon der Autor mit originellen Sprachbildern und einem unglaublichen Gespür für Tempo und Rhythmus erzählt.

Häufig greift er in seinem Roman auch sprachliche Besonderheiten auf, wie beispielsweise die weitestgehend unbekannte Sprache Öömrang, mit der sich Pflüger bei seiner Recherche beschäftigt hat. Diese wird von kaum 600 Menschen und nur auf Amrum gesprochen und gibt den ersten Kapiteln ihre Überschriften. Nur ein Aspekt der literarischen Sorgfalt, mit der Pflüger seine Thriller gestaltet.

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Wieder einmal zeigt sich bei Kälter: Sucht man gelungene deutschsprachige Spannungsliteratur, die einem internationalen Vergleich mühelos standhält, führt kein Weg an Andreas Pflüger vorbei. Das sah auch die Jury des Deutschen Krimipreises so, die Andreas Pflüger im vergangenen Jahr zum inzwischen dritten Mal in dessen Karriere den Preis für den besten Krimi des Jahres zusprach. Man sollte sich also warm anziehen, wenn man sich in die Welt von Kälter begibt!

 

Marius Müller ist Bibliothekar und schätzt Literatur, in der sich Spannung mit sprachlicher Schaffensfreude paart. Die Bücher von Andreas Pflüger sind für ihn also absolute Volltreffer. Auf seinem Blog Buch-Haltung.com schreibt er über seine weitere Lektüre.


Der Autor

Andreas Pflüger, geboren 1957 in Thüringen, setzt sich literarisch auf hochspannende Weise mit der Geheimdienstwelt auseinander. Zu seinen Werken zählen Theaterstücke, Hörspiele, Drehbücher, Dokumentarfilme und Romane. Seine Romane wurden vielfach mit Preisen bedacht; darunter zweimal mit dem Deutschen Krimipreis. Zuletzt erschien Wie Sterben geht im Programm der Büchergilde. Pflüger lebt in Berlin.


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